1. Nov 2021

Test­strategie bei Kolla­genosen

Kollagenosen, auch Connective Tissue Disease (CTD) genannt, sind eine heterogene Gruppe von immunologisch vermittelten systemischen Erkrankungen. Aufgrund der meist unspezifischen klinischen Präsentation ist eine möglichst aussagekräftige Diagnostik für die Diagnosestellung wegweisend.

Neu Teststrategie

  • Die ANA-Profile gross und klein werden durch den CTD-Screen ersetzt
  • Die Autoantikörper der ANA-Profile sind nach wie vor einzeln erhältlich
  • Bei Verdacht auf eine Kollagenose ist die gleichzeitige Bestimmung von ANA mittels IIF und CTD-Screen empfohlen
  • Bei positivem ANA- und CTD-Screen ist die Ausdifferenzierung spezifischer Autoantikörper gemäss ANA-Muster empfohlen
  • Es werden keine ANA-Bestimmungen für Verlaufskontrollen empfohlen

Hintergründe zur Teststrategie bei Connective Tissue Disease

Lange Zeit galt der Nachweis von antinukleären Antikörpern (ANA) mittels der indirekten Immunfluoreszenz (IIF) auf HEp-2-Zellen als Goldstandard für die Diagnosestellung von Kollagenosen. Die ANA-Bestimmung mittels IIF beinhaltet jedoch viele Tücken. Zum einen ist die ANA-Bestimmung sehr sensitiv, zum anderen jedoch auch sehr unspezifisch. So können ANA bei bis zu 30 Prozent der gesunden älteren Personen, bei Infektionen, bei malignen Erkrankungen und bei viralen Hepatitiden nachgewiesen werden. Dies verursacht oft sinnlose und teure (bis zu 300 Franken) Nachfolgeuntersuchungen in Form von ungezielten ANA- oder ENA-Profilen (klein und gross).

Um die Spezifität zu erhöhen und unspezifisch positive Resultate mit unnötigen Folgeuntersuchungen zu verringern, können Festphasen-Assays, wie der neue CTD-Screen, als Ergänzung zur ANA-Bestimmung eingesetzt werden. Wie eine grosse Metaanalyse zeigt, scheint die Kombination der ANA-Bestimmung und des CTD-Screens die beste Aussagekraft für das Vorhandensein einer Kollagenose zu haben.

Der CTD-Screen detektiert 14 Autoantikörper (Antikörper gegen dsDNA, Sm, Rib. P-Proteine, PCNA, SS-A (52 und 60 kDa), SS-B, U1RNP, Centromere B, Scl-70, RNA-III-Polymerase, Fibrillarin, Jo-1, Mi-2 und PM-Scl) gleichzeitig und hat eine deutlich höhere Spezifität als die ANA-Bestimmung. Die ANA-Bestimmung hingegen detektiert zusätzliche Autoantikörper, welche nicht im CTD-Screen enthalten sind, wie zum Beispiel Antikörper gegen Th/To für die Sklerodermie und SAE und TIF1 für die Myositiden.

So kann mit einem doppelt negativen Resultat eine Kollagenose, mit Ausnahme der idiopathischen inflammatorischen Myositiden, beinahe ausgeschlossen werden. Bei einem doppelt positiven Resultat besteht ein hoher Verdacht auf eine Kollagenose. Die neue Teststrategie soll demnach unnötige ANA- und Autoantikörper-Bestimmungen, in Form von ENA- oder ANA-Profilen, verhindern und bei klinischem Verdacht auf eine Kollagenose eine aussagekräftigere Diagnostik liefern.

Abklärungen bei der Indexperson

Die Indexperson ist die Person, von der das Blut bezieungsweise die Körperflüssigkeit stammt, mit der die exponierte Person in Kontakt gekommen ist.

Falls die Indexperson bekannt ist, sollen bei der Indexperson folgende Laboruntersuchungen notfallmässig durchgeführt werden:

  • HIV-Screening
  • Hepatitis C-Screening
  • HBs-Antigen (falls die exponierte Person vollständig gegen Hepatitis B geimpft ist und eine suffiziente Immunantwort (Anti-HBs >100 IE/l aktuell oder in der Vergangenheit) dokumentiert ist, kann auf die Bestimmung des HBs-Antigens bei der Indexperson verzichtet werden)

Für die Durchführung dieser Laboruntersuchungen wird eine Serumprobe benötigt. Die Indexperson muss über die Durchführung der Laboruntersuchungen informiert werden und das Einverständnis zur Durchführung der Laboruntersuchungen geben.

Zusätzlich zu den Laboruntersuchungen soll eine ärztliche Beurteilung der Indexperson zur Beurteilung des Risikos für eine kürzliche HIV-Infektion, Hepatitis B-Infektion und/oder Hepatitis C-Infektion erfolgen.

Dies ist wichtig, da frische Infektionen erst nach einer gewissen Zeit nachgewiesen werden können (diagnostisches Fenster bei frischer HIV-Infektion: 6 Wochen; diagnostisches Fenster bei frischer Hepatitis B-Infektion: 3 Monate; diagnostisches Fenster bei frischer Hepatitis C-Infektion: 6 Monate).

Interpretation von Testergebnissen

Aus der Strategie enstehen verschiedene Ergebnis-Konstellationen die jeweils unterschiedliche Interpretationen nach sich ziehen.

ANA positiv & CTD-Screen positiv

Es besteht ein hoher Verdacht auf eine Kollagenose. Eine Ausdifferenzierung der Autoantikörper ist empfohlen je nach ANA-Muster.

ANA positiv & CTD-Screen negativ

Es besteht eine schwache Korrelation mit einer Kollagenose. Es werden keine weitere Laboruntersuchung empfohlen.

ANA negativ & CTD-Screen positiv

Eine Kollagenose kann nicht ausgeschlossen werden. Nach Rücksprache sind eventuell weitere Laboruntersuchungen empfehlenswert.

ANA negativ & CTD-Screen negativ

Eine Kollagenose kann mit Ausnahme der idiopathischen inflammatorischen Myositiden beinahe ausgeschlossen werden.