Diagnostischer Stufenplan
Um keine wertvolle Zeit zu verlieren und Betroffene rasch der richtigen Therapie zuzuführen, gewinnt eine strukturierte und effiziente Diagnostik in der Praxis entscheidend an Bedeutung.
1. Erstdiagnostik – Antigentest aus Urin
- Schnelltest, Resultat gleichentags
- Sensitivität ~ 70–80%, Spezifität > 95%, hoher positiver prädiktiver Wert!
- Erfasst fast nur L. pneumophila Serogruppe 1 (verantwortlich für ~ 80% der Fälle)
- Nachweisbar ab dem 1. bis 3. Krankheitstag
2. Ergänzende Diagnostik – PCR aus tiefem respiratorischem Sekret (Sputum, Trachealsekret, BAL)
- Resultat innerhalb von 24–48 Std.
- Sensitivität 90-99%, Spezifität > 99%
- Erfasst weitere relevante Serogruppen von L. pneumophila
- Indikation bei negativem Urintest und anhaltendem Verdacht oder bereits antibiotisch behandelten Patientinnen und Patienten (erfasst auch DNA nicht mehr vermehrungsfähiger Erreger). Studien zeigen, dass die Durchführung einer PCR zusätzlich zum Urinantigentest 18–30 % zusätzliche Fälle erfassen kann
3. Optional – Kultur aus tiefem respiratorischem Sekret
- Resultat nach 3–14 Tagen (langsames Wachstum)
- Sensitivität: 50–80% (stark abhängig von Probenqualität), Spezifität: 100%
- Unverzichtbar für das Ausbruchsmanagement (genomischer Vergleich des Patientenisolats mit Umweltproben)
- Parallel zur PCR anfordern, bevor die Antibiose gestartet wird. Ein negatives Kulturergebnis schliesst die Erkrankung wegen der Labilität des Erregers nicht aus.
FAZIT: Ein negativer Urin-Antigen-Test darf bei begründetem klinischem Verdacht oder epidemiologischem Zusammenhang (z. B. Aufenthalt im Ausbruchsgebiet) niemals zum Ausschluss der Diagnose führen. In diesen Fällen muss zwingend eine respiratorische PCR veranlasst werden.